Das ist doch kein Skandal..

..es ist mehr als das! Ein Skandal ist etwas moralisch Verwerfliches. Etwas Privates, Persönliches, das sein Weg an die Öffentlichkeit gefunden hat und dort von der alltäglichen Norm abweicht. Ein Skandal ruft Empörung hervor, Ärgernis und irgendwann ebbt die Geschichte wieder ab.

Es ist aber kein Skandal, wenn Frauen sexuell belästigt werden, genötigt oder zu Sex gezwungen werden. Es ist schlimmer und größer. Es ist die Zerstörung von Leben und lange kein Einzelfall. Die Ausmaße zeigt auch der Hashtag metoo, der derzeit auf Twitter Frauen ermutigt ihre Erfahrungen zu teilen. Und zwar zu Recht. Der auslösende Fall Weinstein ist nur eine von vielen Spitzen eines Eisberges der schon viel zu lange sein Unwesen in der Gesellschaft treibt. Es ist die Eskalation eines alltäglichen Sexismus der seine Pseudolegitimation in vielen Bereichen findet. Dieser Sexismus zeigt sich auch daran, dass die ersten Ergebnisse einer Recherche zu Weinstein mit genau diesem lapidaren Wort getitelt wurden: „Sexskandal“.

Es zeigt, wie groß das Problem wirklich ist. Es waren Männer, die das Ergebnis in Deutschland titulieren. Die Autorinnen bei der New York Times verwendeten ein anderes Wort: „sexual harassment“ Es ist der Beweis wie simpel für Männer das Problem „Sex und Sexuelle Belästigung“ ist. Es ist ein „Skandal“ für sie. Ein Skandal, dass einer Ihresgleichen erwischt wurde. Die Ausübung von Macht, der Angriff auf die Freiheit der Frauen fällt dabei unter den Tisch. Aber genau darum geht es. Es geht um den Machtmissbrauch, der Diskriminierung, der sexuellen Belästigung, der Vergewaltigung. Dafür reicht das Wort „Skandal“ nicht aus. Es verharmlost die Problematik viel zu sehr.

Es ist gut, dass über den Hashtag das Ausmaß bewusster gemacht wird. Aber auch das, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir müssen viel mehr, auch in der alltäglichen Diskussion, über den Bodensatz des Sexismus mit all seinen Folgen sprechen und widersprechen. Und hierzu gehören auch die Männer. Wer da wegschaut oder es abtut, legitimiert das Problem. Es kann doch nicht sein, dass nur weil es Männer nicht betrifft Sexismus nicht ernst genommen wird. Es muss reichen, dass Frauen sagen „Ich fühle mich belästigt.“ und dass dann die Umgebung eingreift. Es darf nicht ignoriert oder verharmlost werden und das gilt für jeden.
Der sexistische Witz des Arbeitskollegen? Widersprechen. Der dumme Spruch gegenüber der Kollegin? Ansprechen. Das Bild von der fremden, gebückten Frau im Badeanzug? Fragen ob das nötig ist! Und ja, das schafft Unmut und schlechte Laune bei euren Kollegen. Das mag sein, ist aber notwendig!

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