Kleine Frage, große Antwort

Mit nur knapp 3 Tagen hat die AfD mit Herrn Boehringer als erste ihre Meinung zu meiner Frage geäußert. Für Wahlkampfzeiten ein doch recht zügiges Auftreten. Da die Antwort aber zwei volle DIN-A4-Seiten einnimmt werde ich diese hier nur verlinken: Hier Link! Aber dennoch werden wir uns das Ergebnis mal genauer ansehen. Aber gehen wir erst noch einmal auf die Frage ein:

Ziel der Frage war es festzustellen wie die AfD zwei Aussagen in ihrem Wahlprogramm in Einklang bringen kann. Genauer ging es um den Punkt 7.7.2 ‚Steuerverschwendung durch „Gender-Forschung“ beenden‘:

Die „Gender-Forschung“ ist keine seriöse Wissenschaft, sondern folgt der ideologischen Vorgabe, dass das natürliche Geschlecht (Sex) und das soziale Geschlecht (Gender) voneinander völlig unabhängig seien. Ziel ist letztlich die Abschaffung der natürlichen Geschlechterpolarität.

Bund und Länder dürfen keine Mittel für die „Gender-Forschung“ mehr bereitstellen und keine „Gender-Professuren“ mehr besetzen.

Bestehende Förderlinien sollen beendet werden, die der „Gender-Ideologie“ verpflichteten „Gleichstellungsbeauftragten“ an den Universitäten sind abzuschaffen.

Und dem Punkt 8.6 „Autonomie der Hochschulen stärken: Freiheit von Forschung und Lehre bewahren“:

Deutschland muss ein Land der Spitzenforschung bleiben. Wir wollen eine höhere Grundfinanzierung der Hochschulen einführen, um deren Abhängigkeit von Drittmitteln zu verringern. Hochschulen sollen das Recht besitzen, Bewerber durch Aufnahmeprüfungen auszuwählen. Der durch planwirtschaftliche Zielvorgaben zu Studentenzahlen, Studienerfolg und anderen Quoten erzeugte Zwang zur Nivellierung ist zu beenden.

Herr Boehringer erkennt kurz gesagt keinen Widerspruch, da ein beschränkter finanzieller Spielraum nun mal keine „absolute“ Freiheit erlaubt. Theoretisch richtig, aber die gewünschte „höhere Grundfinanzierung der Hochschulen“ würde diesen beschränkten finanziellen Spielraum erweitern. Zudem soll die „Gender-Forschung“ ja, laut Wahlprogramm, nicht eingestellt werden, weil sie zu viel Steuergelder benötigt, sondern weil sie „unwissenschaftlich“ ist. Laut Herrn Boehringer erfüllt die „Gender-Forschung“ damit nicht das Prinzip der Ökologie. Hier muss man dann aber auf jede weitere Forschung in der Pädagogik und Psychologie verweisen und ebenso auf viele weitere aus den Geisteswissenschaften. Ein großer Teil davon sind „rein“ aus Steuermitteln finanziert. So, müsste die AfD verlangen, auch diese einzustellen und nicht eine höhere Grundfinanzierung fordern. Da hilft es auch nicht hier die Forderung von Drittmittel zu verlangen. Genau das soll ja nicht stattfinden. Ein Widerspruch? Nicht für die AfD.

Zudem ist laut dem Wahlprogramm nicht die „hohe Finanzierung“ ausschlaggebend, sondern die „Unwissenschaftlichkeit“ der „Gender-Forschung“. Das Wahlprogramm weist darauf hin, dass es keinen Unterschied gibt zwischen Sex und Gender. Ein Blick in die Gesellschaft beweist in der Stichprobe aber bereits das Gegenteil. Zudem durch die Gender-Forschung dieses empirisch bestätigt wurde. Und das auch „weil bis ca. 1995 niemand in der Welt auf die Idee gekommen wäre, dass es einer „universitären Forschung“ bedarf“. Bis 1977 ist auch niemand auf die Idee gekommen, dass eine Erziehung mit der Basis von Gewalt und Repressionen schlecht sein könnte. Heute sehen wir das aber zu einem sehr großen Teil anders.

Interessant ist hier die Aussage von Herr Boehringer über die „triviale Zustandsbeschreibungen der Welt, die wir auch ohne Akademisierung dieses „Forschungs“bereichs schon seit Jahrzehnten und Jahrhunderten hätten“. Wenn diese so trivial ist, hätte man schon längst eine passende Lösungen oder Konzepte dafür entwickeln können. Die Ursachenforschung, die hier hauptsächlich durch die Genderforschung, gestützt und untermauert wird, liefert aber Handlungskonzepte auf die die Politik aufbauen könnte. Wenn jemand diese „Trivialität“ erkannt hätte, hätte vielleicht auch die Abschaffung der Vergewaltigung in der Ehe nicht bis 1997 gebraucht. Und auch wenn das verrückt klingen mag, bin ich bereits auf Mädchen getroffen, die auch Müllfrau werden wollten, die zur Bundeswehr wollten und andere „männliche Berufe“ machen wollten.

Hier hat aber wohl leider die Filterblase von Herrn Boehringer zu geschlagen. Entsprechendes erkennt man an den anderen Aussagen, die sich leider kaum von den populistischen Hetzartikeln der Klatsch- und Boulevardpresse unterscheiden. Auch der Hinweis auf das „FUNDAMENTALE“ Missverständnis zwischen Wirtschaft und Freiheit zeugt von einem fundamentalen Missverständnis von der Freiheit der Forschung und der Zwang der Ökonomie von nicht wirtschaftlicher Forschung. Der Einwurf Herrn Boehringers er wäre kein Fachpolitiker zum Thema Gender kann man hier unterschreiben. Sich dann aber allein auf populistische Aussagen ohne Fundament und Eigeninitiative zur konstruktiven Meinungsbildung zu stützen disqualifiziert ihn als Volksvertreter sofort.

Es bleiben mehr offene Fragen, als Herr Boehringer beantworten kann. Entsprechend schlägt er in dieselbe Kerbe wie die AfD als Ganzes und zeugt von Populismus ohne Hand und Fuß. Enttäuschend auf ganzer Linie.

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