Fußtumulte

10 Uhr abends. Ich liege in unserem Familienbett und sehe mir – Pay-Cinema-Anbieter sei Dank – einen 2-von-5-Sterne-Zombie-Film an, als etwas meine kopfzerhackende Aufmerksamkeit stört. Es dringen seltsame Töne aus dem Kinderschlafzimmer, die nicht nur mich, sondern auch K3 zu stören scheinen. Ich wechsle in den Nightscreen – der Ausschalter meines Handys – und löse mich aus allen Licht- und Geräuschbarrieren die ich errichtet hatte. Dabei entferne ich ein gutes Dutzend an Beinen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder nachts mehr als die üblichen vier Extremitäten besitzen. Ich löse mich also vom humanoiden Oktopus und schleiche Elefant-im-Porzellanladen-like aus dem Zimmer. Nach der Tür nochmal den Check ob K3 weiterhin schläft?! Jup, alles ruhig und somit betrete ich den Ort mit der Lautstärke einer abendlichen Podiumsdiskussion zum Thema Kinderernährung. Wer einmal bei Facebook oder am Elternabend eine solche Diskussion erlebt hat, weiß es einzuschätzen. Nun gut, rein ins Zimmer. Wild fuchtelt versucht K1 die Zweck entfremdete Minionslampe ihrer Helligkeit zu berauben und wirft dabei das Lesematerial über Board. Mir auf den Fuss. Wenigstens ist das nicht so laut, als wäre es auf den Boden aufgeschlagen. Als Antwort auf meinem vorwurfsvollen Blick kommt nur ein „ich kann noch nicht schlafen.“ Ist gut und mir egal. Weniger egal, das Handgemenge und die verbale Verwüstung im Stockwerk darunter. K2 träumt und das nicht besonders gut. Ich bin erstaunt vom Wortschatz und erkenne zu meinem Leidwesen diverse Floskeln und Phrasen wieder. Ich greife in die Dunkelheit um K2 zu beruhigen und streichle am Kopfteil ein Bein. Beine! Viel zu viele davon aber auch hier vollkommen normal. Weniger normal, das aus derselben Richtung der irische Seefahrer spricht. Ich entwirre, unter noch mehr Beschimpfung, Kind, Decke und Kopfkissenbezug, führe allen Beteiligten ihre ursprüngliche Funktion zu und lasse Ruhe einkehren. Mit einem bösen Blick ergreife ich beim Verlassen des Zimmers die Lampe vom Ältesten und schließe unter Jammern die Türe hinter mir. Zurück im gemeinsamen Bett stelle ich fest, dass K1 den Tumult verschlafen hat und auch noch den Platz geräumt. Hurra! Ich lege mich hin, baue eine kleine Lichtschutzwand auf und greife nach meinem Handy. Der Film wird fortgesetzt, ich vernehme wieder Zombiegeräusche. Nur nicht von den Ohrstöpseln. Es folgt ein Grunzen, ich höre ein Drehen und ich habe Füße auf Gesicht und Handy. Film vorbei. Ist ja eh schon zu spät zum Schauen.