Leer im Kopf

Über ein Jahr ist es her als ich von deinem Tod erfuhr. Geboren wurdest du, wie ich, Ende der 80er. Gestorben bis du aber viel früher. Viel gemeinsam hatten wir nicht, teilten Freunde. Ich erinnere mich an die guten Tage. Die tollen Momente, in denen du uns darüber belehrte hast, dass Pilze eine eigene Gattung sind. Die Abende die du mit uns in der Arena verbracht hast. Aber auch jene Tage in denen wir nicht an dich ran kamen. Tage, die dich zerrissen. Wir alle kannten dieses Monster. Bei uns war es nur nie so laut.

Irgendwann trennten sich unsere Wege. Wir kamen nicht mehr zu unseren alten Freunden, sahen einander nicht mehr. Ich wurde Vater, veränderte meinen Lebensmittelpunkt, zog irgendwann weg. Verlor endgültig den Kontakt zum alten Kreis. Im April letzten Jahres schrieb eine Freundin mich dann an. Erzählte mir von der Traueranzeige und deinem Tod.

Jetzt bin ich wieder in der alten Stadt. Habe gesucht nach deinem Grab. Habe es gefunden und stehe nun hier bei dir. Ich habe Blumen dabei. Sogar eine Karte habe ich besorgt. Ich knie mich hin, versuche einen Platz für die Blumen zu finden. Sie wollen nicht passen. Auch die Karte wirkt fehl am Platz. Ich lasse sie dennoch da in der Hoffnung, dass sie dir gefallen. Ich schaue mir dein Bild an und mein Kopf ist leer.