Mein erwachsenes Mädchen

Das mit den Wörtern ist immer so eine Krux. Gerade unser alltäglicher Sprachgebrauch enthält viele Floskeln oder auch Bezeichnungen, die im ersten Moment harmlos wirken, bei näherer Betrachtung aber völlig absurd erscheinen. Über eine dieser Punkte ist heute MEH gestolpert und hat es mir prompt gezeigt.

Es ist ein Veranstaltungshinweis bei uns in der Stadt. Speziell geht es um einen Flohmarkt von Frauen für Frauen mit dem Titel „Mädchenflohmarkt“. Schwieriger Titel. Die Beschreibung ist aber nicht besser: „Entrümple Deinen übervollen Kleiderschrank, schnapp’ dir Deine beste Freundin und …“; „Verkauft werden dürfen sämtliche Frauenklamotten, Schuhe, Schmuck oder Accessoires…“; „Keine Kinderkleidung !“

Natürlich kann man jetzt sagen, ich rege mich – obwohl ich mich nicht aufrege, sondern nur feststelle 😉 – über Kleinigkeiten auf und das gehört halt zu unserer Sprache. Aber genau das ist das Problem. Wenn ich auf offener Straße eine Frau mit „Mädl“ oder „Mädchen“ ansprechen würde, würde ich mich zu Recht mit dem Vorwurf des Sexismus konfrontiert sehen. Aber warum dann einen Flohmarkt für Frauen ab 16 Jahren als „Mädchen“-Flohmarkt bezeichnen? Bei Mädchen gerade in einem offenen allgemeinen Kontext verstehen sich doch „Kinder weiblichen Geschlechts“ und nicht die Freundin von neben an.
Was mich aber zusätzlich störte, und das hat mich wirklich aufgeregt, war die stereotype Darstellung. Nicht nur das Titelbild ist klassisch rosa mit Spitze und Herzchen. Auch die Beschreibung reduziert Frauen auf den Kleiderschrank und das Schmuckkästchen. Mehr haben Frauen nicht zu wollen und können entsprechend auch nicht verkaufen. Als ob Frauen keinen Bücher besäßen, Werkzeuge, Sportartikel und Kinderkleidung. Warum die Ausgrenzung von Kinderkleidung? Es suggeriert, dass echte Frauen keine Mütter sind. Und da bleibt schlicht ein „What the fuck?“ übrig.

Es geht mir nicht darum einen Frauenflohmarkt grundsätzlich für dämlich abzustempeln sondern sich darüber bewusst zu werden, welche Einschränkungen hier durch die Veranstalter*innen erzwungen werden. Und welche Intentionen daraus entstehen. Und gerade diese Veranstaltung ist ein Paradebeispiel und sollte aufs heftigste zum Nachdenken anregen.