Feminismus und echte Freiheit

MEH ist ein leidenschaftlicher Fan von „Vintage Spielzeug“. Vor allem die drei großen P haben es ihr angetan: Polly Pocket, Ponies und Puppen. Wenn es pastellig und niedlich ist, ist es umso besser. Vor allem Puppen haben es ihr angetan. Entsprechend haben wir, ein bisschen gegen den Widerstand von MEH, ein Regal geräumt und Platz geschaffen, sodass MEH werkeln kann. Ab und an führen wir politische Diskussionen, vor allem dann wenn ich irgendwas wieder gelesen habe und mich auskotzen muss. Manchmal geht es dann auch mal um Feminismus. MEH bezweifelt dann immer, dass „Feminist*innen“ wohl gut für sie wären beziehungsweise sie ernst nehmen würden. Denn ihre Leidenschaft wäre ja nicht feministisch. Ich versuche dann immer zu widersprechen.

Der feministischen Bewegung geht es ja nicht grundsätzlich um die Abschaffung von „typisch femininen Leidenschaften“ und die Angleichung der Frau an den Mann. Feminismus ist so viel mehr als „nur“ die Stärkung von Frauen in der Gesellschaft. Feminismus geht auf im Humanismus, er ist ein Teil davon. Ein wichtiger. Aber warum kämpfen wir dann nicht nur rein für die Menschenrechte. Machen wir. Auch. Aber nicht nur. Und genau hier habe ich mich belehren lassen. Unter anderem, dass es nötig sein kann nicht nur übergeordnet für Rechte zu kämpfen sondern auch speziell für eine Gruppe und Anhängern. Auch wenn ich immer noch der Meinung bin, dass wir auch Rassismus bekämpfen können wenn wir über unser unterschiedliches Aussehen sprechen.

Aber zum Feminismus zurück. Er hat auch heute noch vor allem in der Breite der Bevölkerung ein schlechtes Image. Das sehe ich unter anderem in den Äußerungen von MEH. Dies liegt vor allem daran, dass die Meinungsmacher*innen sich jene „Feministinnen“ herauspicken die häufiger oder mehrmals radikale oder einseitige Positionen vertreten. Grundsätzlich ist das auch kein Problem. Über Positionen oder Argumente lässt sich reden, man kann darüber diskutieren. Die Beweggründe erfahren und entsprechend reagieren. Problem hier ist, dass Meinungsmacher*innen die Positionen als absolut und allgemein für die Bewegung definieren. Davon darf man sich aber nicht unterkriegen lassen. Die meisten Feminist*innen machen und bewegen so viel mehr. Das Ziel ist so einfach und doch so utopisch: echte Freiheit.

Freiheit als die Überwindung realer wirtschaftlicher Unterdrückungen, wie der gläsernen Decke. Freiheit vor sexueller Gewalt und Zuschreibung, vor direkter Unterdrückung. Freiheit als die Beendigung aller Vorurteile, Klischees und Zuweisung durch die Gesellschaft. Freiheit aber auch als echte Wahlfreiheit ebenbürtig derer der Männer und auch für Männer. Echte Freiheit für Frauen, Männer, Mütter, Väter, Mädchen, Jungen, Lesben, Schwule, Trans und alle Sternchen.

Ja, auch Männer können vom Feminismus profitieren. Ein Vater der für seine Kinder da sein möchte und gleichzeitig arbeiten muss, weiß wovon ich rede. Arbeitende Väter sind genauso wie arbeitende Mütter eingezwängt zwischen Haushalt, Arbeit und Familie. Als Alleinverdiener ist es umso schlimmer. Nie hat man genug Zeit für einen der Bereiche. Es zermürbt. Über Tage, Wochen, Monate. Aber wo bleibt da der Aufschrei. Er kommt nicht. Weil Männer arbeiten gehen. So schreibt es die Gesellschaft vor. Wir sind genauso wenig frei in unseren Entscheidungen wie Frauen und Mütter. Und wie kann ich frei sein, wenn es mein Partner nicht ist?

Umso entscheidender und wichtiger ist, dass auch Männer sich an der feministischen Bewegung beteiligen. Es ist wichtig, dass die Hauptbeteiligten im Erhalt der Konstrukte, sei es gesellschaftlicher, politischer oder wirtschaftlicher Natur, mit einbezogen werden. Es kann nicht nur darum gehen, jene Gruppe aufzuklären. Männer müssen an der Zielsetzung mitarbeiten. Sie müssen in Gremien dabei sein, Lösungen bieten und Ziele finden. Es darf nicht sein, dass die Presse hauptsächlich männliche Beteiligte als negative Kritiker zu Wort kommen lässt. Feminismus kann ein Befreiungsschlag für alle Gruppen und Personen in unserer Gesellschaft sein. Wir müssen es nur zulassen, lesen, schreiben und mitwirken. Wir können und sollten ein Teil dieser Bewegung sein. Unabhängig vom Geschlecht.

„Wenn ihr wollt seid ihr quing lass uns geshichte shreiben“ – Sookee